
Wissenschaftlicher Originaltext (Auszug) aus der Zeitschrift "Ärztewoche"
Substanz in Weintrauben hemmt Tumorwachstum
Washington
Dass Obst, Gemüse und Rotwein gut zur Prävention von Herzkreislauferkrankungen sind, ist
seit Jahren bekannt. Und dass vegetarische Kost die Häufigkeit von Tumoren mindert, ist
ebenfalls in mehreren Studien festgestellt worden. Eine Substanz, die möglicherweise an
dieser antikanzerogenen Wirkung von Obst und Gemüse beteiligt ist, haben nun
amerikanische Wissenschaftler erforscht.
Eine viel versprechende antikanzerogene Substanz
Die Substanz heißt Resveratrol und ist vor allem in Weintrauben, aber auch in Erdnüssen,
Maulbeeren, in Traubensaft, kaltgepresstem Traubenkernöl, in Weißwein, Rosé und Rotwein
enthalten (Science (275,1997,218).
Die Wissenschaftler haben die Substanz aus dem Wurzelextrakt eines peruanischen Baumes
gewonnen. Diese Forschung fand statt innerhalb eines Screening-Programmmes des National
Cancer Institutes, bei dem mehrere tausend Pflanzen auf antikanzerogene Inhaltsstoffe
untersucht werden. Nach ersten Ergebnissen von Labor- und Tierversuchen sei Resveratrol
ein vielversprechendes Mittel zur Krebsabwehr, berichtet die Arbeitsgruppe um Dr.
Meishiang Jang von der Universität von Illinois in Chicago und von der Universität
Complutense in Madrid. Im Tierversuch haben die Wissenschaftler zum Beispiel festgestellt,
daß Resveratrol bei Mäusen dosisabhängig der Entwicklung von Haut-Tumoren
entgegenwirkt. Resveratrol wirke unter anderem antioxidativ und antimutagen. Es hemme
das Enzym Cyclooxygenase (Cox-1), das die Umwandlung der Arachidonsäure in proinflammatorische
Substanzen wie die Prostaglandine katalysiert. Prostaglandine können das
Tumorzell-Wachstum stimulieren und außerdem die Immunabwehr supprimieren.
Außerdem kann das Enzym karzinogene Substanzen aktivieren.
Einfluß auf Fettstoffwechsel
Die Forscher haben Resveratrol nach ihren Angaben in 72 Pflanzenarten gefunden. Der Stoff
sei wahrscheinlich ein Phytoalexin und diene Pflanzen zur Abwehr von Krankheiten, etwa
durch Pilze. Große Mengen der Substanz enthält die Schale von frischen Weintrauben. Pro
Gramm seien es 50 bis 100 Mikrogramm. Rotwein enthalte die Substanz in einer
Konzentration von 1,5 bis drei Milligramm pro Liter. Ähnliche Konzentrationen sind in
Weißwein und Rosé festgestellt worden. Ob unterschiedliche Wein-Sorten unterschiedliche
Resveratrol-Mengen enthalten, haben die Wissenschaftler nicht untersucht.
Wirkmechanismen der Substanz sind vielleicht auch eine Erklärung für den positiven
Einfluss von vegetarischer Kost und Rotwein auf Herzkreislauferkrankungen. Denn
Resveratrol hemmt nach Forschungsergebnissen die Plättchenaggregation und die
Blutgerinnung. Außerdem soll es den Fettstoffwechsel beeinflussen.
Anmerkung:
Der Bericht verdeutlicht vor allem dass sich die medizinische Forschung seit vielen Jahren damit
beschäftigt, und Ergebnisse in die verschiedensten Richtungen vorliegen.
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